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So können Sie alleiniges Sorgerecht beantragen

Inhaltsverzeichnis

Beinahe jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden: Hat das Paar Kinder, folgt nicht selten der Streit um das Sorgerecht. Doch auch beim gemeinsamen Sorgerecht kommen regelmäßig Konflikte auf. Obwohl die Eltern nur das Beste für ihr Kind wollen, sind die Vorstellungen davon, was „das Beste“ ist, oft sehr unterschiedlich: Welche Schule soll das Kind besuchen? Welche Impfungen soll das Kind erhalten? Und wer hat das letzte Wort? Eskaliert der Streit, wünschen sich Eltern nicht selten, die Entscheidung allein treffen zu können. Eltern fragen sich: Kann ich das alleinige Sorgerecht beantragen? Welche Gründe rechtfertigen die Beantragung und vor allem, wie kann ich das alleinige Sorgerecht beantragen? In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie alles beachten müssen, wenn Sie das alleinige Sorgerecht beantragen möchten.

Alleiniges Sorgerecht - was bedeutet das?

Alleiniges Sorgerecht bedeutet, dass ein Elternteil allein alle Entscheidungen bezüglich des Kindes treffen darf und somit dem anderen Elternteil die Entscheidungsbefugnis genommen wird.

Grundsätzlich gilt: ist das Paar bei der Geburt verheiratet, haben beide Elternteile das Sorgerecht für das Kind. Bei unverheirateten Paaren hat zunächst die Mutter das alleinige Sorgerecht. Der Vater kann das Sorgerecht dann nur durch Beantragung und mit Zustimmung der Mutter bekommen. Haben die Elternteile das gemeinsame Sorgerecht, bekommt im Falle des Todes des einen Elternteils, das andere Elternteil automatisch das alleinige Sorgerecht. Lässt sich das Paar scheiden, teilen sie sich zunächst weiterhin das gemeinsame Sorgerecht. Das alleinige Sorgerecht muss dann von einem Elternteil beantragt werden.

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Was darf man beim alleinigen Sorgerecht entscheiden?

Hat ein Elternteil das alleinige Sorgerecht, darf es über alle wichtigen Angelegenheiten, die das Kind betreffen, alleine entscheiden. Dies betrifft zum einen die Personensorge des Kindes. Hierzu gehören jegliche Erziehungsmaßnahmen, die das Kind direkt betreffen. Darunter fällt zum Beispiel auch die Einwilligung in medizinische Behandlungen und Operationen. Der Sorgeberechtigte kann daher beispielsweise entscheiden, ob das Kind gegen Corona geimpft wird oder nicht.

Des Weiteren trifft der gesetzliche Vertreter jegliche Entscheidung über die akademische Laufbahn des Kindes, also welchen Kindergarten und welche Schule das Kind besucht. Außerdem darf nur der Sorgeberechtigte darüber entscheiden, ob das Kind am Wochenende bei einem Freund schlafen, die Oma besuchen oder auf Klassenfahrt fahren darf.

Neben der Personensorge trägt das sorgeberechtigte Elternteil auch die sog. Vermögenssorge des Kindes. Diese umfasst die Verwaltung jeglichen Vermögens des Kindes, beispielsweise des Kindergelds oder einer anfallenden Erbschaft.

Wichtig: Der gesetzliche Vertreter darf zwar entscheiden, wo das Kind wohnt und lebt, jedoch kann er dem anderen Elternteil den Umgang mit dem nicht Kind verbieten. 

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Antrag auf alleiniges Sorgerecht - Gründe

Sind beide Elternteile mit der Beantragung des alleinigen Sorgerechts einverstanden, wird dem Antrag in der Regel stattgegeben. Das Verfahren ist dann relativ unkompliziert. Das alleinige Sorgerecht gegen den Willen des anderen Elternteils zu beantragen, ist hingegen nur bei einer Gefährdung des Kindeswohls möglich.

Gemäß § 1671 BGB besteht eine Gefährdung zum Beispiel bei einer Misshandlung und Vernachlässigung des Kindes, wenn sich also das sorgeberechtigte Elternteil nicht um das Kind kümmert oder die Entscheidungen des anderen Elternteil durch Untätigwerden behindert. Auch die Versagung erforderlicher medizinischer Hilfe oder Verweigerung von Unterhaltszahlungen, kann eine Gefährdung im Sinne des § 1671 BGB und damit einen Grund für die Erteilung des alleinigen Sorgerechts darstellen. Weitere Faktoren, die das Wohl des Kindes gefährden sind schwere Erziehungsfehler, sowie Drogen-, Alkohol oder Spielsucht.

Gemäß § 1671 BGB besteht eine Gefährdung zum Beispiel bei einer Misshandlung und Vernachlässigung des Kindes, wenn sich also das sorgeberechtigte Elternteil nicht um das Kind kümmert oder die Entscheidungen des anderen Elternteil durch Untätigwerden behindert. Auch die Versagung erforderlicher medizinischer Hilfe oder Verweigerung von Unterhaltszahlungen, kann eine Gefährdung im Sinne des § 1671 BGB und damit einen Grund für die Erteilung des alleinigen Sorgerechts darstellen. Weitere Faktoren, die das Wohl des Kindes gefährden, sind schwere Erziehungsfehler, sowie Drogen- Alkohol oder Spielsucht. 

Falls Sie hierzu weitere Fragen und Informationen haben möchten, zum Beispiel ob in ihrem speziellen Fall ein schwerer Erziehungsfehler vorliegt, dann können Sie hier das Kontaktformular ausfüllen. Unsere Anwälte geben Ihnen innerhalb der nächsten 24 Stunden eine Einschätzung zu Ihrem Anliegen.

Der Weg zur Beantragung des alleinigen Sorgerechts

Im ersten Schritt muss man das Formular zur Sorgerechtsübertragung beim zuständigen Amtsgericht einholen und ausfüllen. 

Im Falle, dass sich beide Elternteile einig sind, läuft die Bearbeitung meist ohne Probleme ab. Vorausgesetzt ein Elternteil weigert sich, wird eine umfassende Begründung eingefordert, die erklärt, warum das eine Elternteil besser als Erziehungsberechtigter qualifiziert ist als das andere. Darüber hinaus müssen der Erklärung Nachweise und Belege beigefügt werden.

Angenommen eine Mutter beantragt das alleinige Sorgerecht, da der Vater das Kind enorm unter Druck setzt, was schulische Leistungen angeht. Dies kann, vorausgesetzt es können beim Kind entsprechende Auswirkungen auf die Gesundheit der Psyche festgestellt werden, einen enormen Erziehungsfehler begründen, der ein alleiniges Sorgerecht rechtfertigt. Die Beweislast liegt dabei bei der Mutter. Sie muss dem Familiengericht neben dem Formular bspw. Videos, Dokumentation von bestimmten Ereignissen oder auch ärztliche Gutachten zur Verfügung stellen.

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Alleiniges Sorgerecht beantragen - Kosten

Der Antrag auf alleiniges Sorgerecht ist mit einigen Kosten verbunden. Diese setzen sich zusammen aus Anwalts-, Gerichts- und Transportkosten, sowie Kosten für den Postverkehr. Die Kosten trägt der Antragssteller.

Die Anwaltskosten belaufen sich in der Regel auf 800 – 1000 Euro, wobei eine anwaltliche Erstberatung schon bis zu 230 Euro kosten kann. Die Gerichtskosten berechnen sich nach dem Streitgegenstand und belaufen sich in Sorgerechtsstreitigkeiten in der Regel auf 50 Euro. Allerdings sind Verfahrens- und Anwaltskosten auch immer von der Dauer des Verfahrens abhängig.

Oftmals werden die Kosten für die Beantragung des Sorgerechts von der Rechtsschutzversicherung übernommen. Wir stellen gern die Deckungsanfrage bei Ihrer Rechtsschutzversicherung.

Falls Sie keine Versicherung haben, kann beim zuständigen Familiengericht eine Beratungshilfe beantragt werden, die eine anwaltliche Erstberatung ermöglicht. Darüber hinaus kann ebenfalls für die Verhandlungen eine Gerichtskostenhilfe angefordert werden.

Alleiniges Sorgerecht beantragen - Dauer

Die Dauer der Beantragung des alleinigen Sorgerechts ist ganz von der Komplexität des Falles abhängig. Sind beide Elternteile einverstanden, kann das Verfahren innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein.

Sind sich die Elternteile nicht einig, kommt es zum Sorgerechtsstreit und der Fall landet vor Gericht. In diesem Fall kann es mehrere Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis eine Entscheidung getroffen wird. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass zusätzliche Gutachten benötigt oder Zeugen befragt werden müssen. Dadurch steigt die Anzahl der Gerichtstermine und das Verfahren verlängert sich.

Beteiligung des Jugendamts

In der Regel wird das Jugendamt dann eine Beurteilung über den Elternteil, der das alleinige Sorgerecht beantragt einfordern, um zu erfassen, ob das Elternteil als gesetzlicher Vertreter des Kindes geeignet ist. Ein Vertreter des Jugendamtes wird sich durch regelmäßige Hausbesuche ein Bild von der Situation machen. Bevor das Gericht dann über den Antrag entscheidet, wird der Vertreter des Jugendamts seine Eindrücke schildern. Darauf basierend kann sich das Gericht ebenfalls eine Meinung zu den Umständen bilden.

Im Falle der Mutter, die gegen den Vater aufgrund eines schweren Erziehungsfehlers klagt, wird hier der Vertreter des Jugendamtes das Verhalten des Vaters beobachten und den Vater zu der Situation befragen. Der Sachbearbeiter des Jugendamts kann weitere Familienmitglieder und die Lehrer des betroffenen Kindes befragen, um weitere Perspektiven bezüglich der Lage zu erhalten und schließlich eine fundierte Einschätzung abgeben zu können.

Vor Gericht wird dann neben dem Vertreter des Jugendamts auch das Kind selbst befragt. Ist das Kind älter als 14 Jahre, kann es der Regelung bezüglich des Sorgerechts widersprechen, letztendlich entscheidet aber der Richter.

Bestehen Zweifel oder Unsicherheiten bei der Entscheidung, kann neben Zeugen auch das familienpsychologische Gutachten eingeholt werden. Das letzte Wort hat dann das Gericht, wobei die vorsitzende Richterin ihre Entscheidung anhand verschiedener Kriterien trifft.

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Kriterien, anhand derer das Gericht entscheidet

  • Beständigkeit: Es ist wichtig, dass das Kind eine stabile und gleichmäßige Erziehung erfährt. Die sichere Entwicklung des Kindes steht hierbei im Vordergrund und wird von dem Gericht hauptsächlich anhand der Erkennbarkeit und Souveränität der zwischenmenschlichen Beziehung bewertet.
  • Unterstützung: Das Gericht beurteilt die Förderungsmöglichkeiten bezüglich der akademischen Ausbildung des Kindes. Es geht darum, welcher Elternteil dem Kind die besten Entwicklungsgrundlagen bietet und entsprechend finanzielle Mittel hat.
  • Soziales Umfeld: Das Kind soll nicht von Geschwistern, Großeltern, Verwandten und Freunden getrennt werden.
  • Wunsch des Kindes: Das Kind darf, wenn es 14 Jahre alt ist, selber einen Wunsch bezüglich des Sorgerechts Vertreters, äußern. Der Richter kann diesen bei seiner Entscheidung berücksichtigen.

Formloser Antrag bei Einigung außerhalb des Gerichts

Möglicherweise einigen sich aber auch beide Elternteile außerhalb des Gerichts. Hier spricht man dann von einem formlosen Antrag. Im Beispiel des väterlichen Leistungsdrucks, könnte es sein, dass die Mutter sich dazu entscheidet, den Antrag zurückzuziehen. Sie könnte eingesehen haben, dass der Anspruch des Vaters an die schulischen Leistungen zwar hoch war, letztendlich aber keine negativen Auswirkungen auf das Wohl ihres Kindes hat: Formloser Antrag – geteiltes Sorgerecht.

Andererseits könnte der Vater einsehen, dass er zu viel Druck auf das Kind ausübt und sich eingesteht, dass die Mutter besser als gesetzlicher Vertreter für das Kind geeignet ist. In diesem Fall beantragt die Mutter formlos das alleinige Sorgerecht mit Zustimmung des Vaters. Gibt es Uneinigkeiten, muss sie die entsprechenden Gründe darlegen, die nachweisen, dass der Vater sorgerechtsunfähig ist und das Wohl des Kindes gefährdet ist. Es ist natürlich umgekehrt genauso möglich, dass der Vater das alleinige Sorgerecht beantragt.

 

 

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Vater beantragt alleiniges Sorgerecht gegen meinen Willen - Was tun?

In dem Fall gilt es, zunächst Ruhe zu bewahren. Sie werden vor dem Jugendamt die Gelegenheit zur Stellungnahme haben und ein Vertreter des Jugendamts wird sich auch persönlich einen Eindruck von der Situation verschaffen. Dem Antrag auf alleiniges Sorgerecht wird nur stattgegeben, wenn tatsächlich eine Gefährdung des Kindeswohls besteht. Ohne jegliche Gründe kann Ihnen das Sorgerecht nicht entzogenen werden.

Sollte eine Entscheidung zu Ihren Ungunsten gefallen sein, ist noch nicht alles verloren. Auch nach einer richterlichen Entscheidung kann noch Einspruch eingelegt werden.

Auch hier helfen unsere erfahrenen Anwälte Ihnen gerne weiter. Innerhalb von 24 Stunden nach Ausfüllen des Kontaktformulars erhalten Sie eine kostenlose Ersteinschätzung zu Ihrem Anliegen von uns.

 

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