Bewährungsstrafen sind überall in den Medien und es gibt kaum jemanden, der noch nie etwas über auf Bewährung “freigelassene” Kriminelle gehört oder gelesen hat. “Manager kam mit Bewährungsstrafe davon” – der Begriff “Bewährung” begegnet uns immer wieder und überall. In der Zeitung, im Fernsehen, aber auch innerhalb der beliebten “Tatort”-Folgen. Doch was bedeutet “Bewährung” eigentlich genau? Und kann man mit einer Bewährung “davonkommen”? Warum werden Menschen überhaupt auf Bewährung “freigelassen”? Wir klären auf.

Welche Arten der Strafe gibt es?

Das deutsche Strafrecht kennt vor allem zwei Arten von Sanktionen: die sehr häufige Geldstrafe (nicht zu verwechseln mit einer Geldbuße!) und die seltenere Freiheitsstrafe.

Das Strafgesetzbuch (StGB) besagt, dass bei weniger schweren Straftaten vorrangig Geldstrafen verhängt werden sollen. Geldstrafen können je nach begangener Straftat unterschiedlich hoch ausfallen. Ist das Gericht also unentschlossen darüber, ob es eine Geldstrafe oder eine kurze Freiheitsstrafe (unter 6 Monaten) verhängen soll, ist die Geldstrafe zu bevorzugen und die Freiheitsstrafe nur in einem besonderen Ausnahmefall zu wählen (§ 47 StGB).

Bei der Festlegung der Höhe der Geldstrafe kommt es also immer auf den Einzelfall an. Das Verhalten des Täters während und nach der Straftat, die finanzielle Situation der beschuldigten Person und die Höhe des entstandenen Schadens spielen dabei eine sehr große Rolle. Das Gericht entscheidet in der Regel in einer mündlichen Gerichtsverhandlung, wie viele Tagessätze (= Anzahl der Tage) zu welcher Tagessatzhöhe (= Höhe des zu zahlenden Betrages pro Tag) die beschuldigte Person erhalten soll.

Gut zu wissen: Die Anzahl der Tagessätze darf 360 Tage nicht überschreiten. Eine Geldstrafe, die 90 Tagessätze übersteigt, führt zu einer Eintragung ins Führungszeugnis. Das bedeutet, dass jemand, der zu weniger als 90 Tagessätzen verurteilt wurde, keinen Vermerk über seine Straftat in sein polizeiliches Führungszeugnis erhält – auch wenn er vor Gericht verurteilt wurde.

Nur relativ schwere Delikte führen überhaupt zu Freiheitsstrafen. Eine Freiheitsstrafe kann ein Monat bus lebenslänglich andauern. Die Dauer einer lebenslangen Haftstrafe ist dabei nicht klar definiert, sondern richtet sich nach dem Verhalten des Beschuldigten während seiner Zeit im Gefängnis. So kann jemand, der zur lebenslangen Haft verurteilt wurde, nach 15 Jahren auf Bewährung aus dem Gefängnis herauskommen (§ 57a StGB). Beschuldigte Personen mit einem solchen Urteil sind meist Wiederholungstäter*innen, die eine Geldstrafe nicht abschrecken konnte.

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Bewährungsstrafen: Was bedeutet Strafaussetzung?

Doch nicht jede Freiheitsstrafe führt automatisch zu einem Freiheitsentzug. Denn das deutsche Strafrecht regelt in § 56 StGB, dass eine Freiheitsstrafe “zur Bewährung ausgesetzt” werden kann. Das bedeutet, dass der oder die Verurteilte trotz Verurteilung keine Haftstrafe absitzen muss, sondern sich “in Freiheit bewähren” darf. Die Verurteilung und die Aussicht auf eine drohende Freiheitsstrafe sollen als eine Art “Warnung” genügen, um zu erreichen, dass die verurteilte Person nie wieder straffällig wird.

Der Bewährungszeitraum liegt zwischen zwei und fünf Jahren, wobei drei Jahre in der Praxis häufig vorkommen. Auf wie viele Jahre die Strafe gestreckt wird, entscheidet der Richter oder die Richtern im Rahmen einer mündliche Verhandlung.

Bei einer Strafaussetzung wird die verurteilte Person über Jahre hinweg genauestens beobachtet. Sollte sie innerhalb dieser Zeit wieder straffällig werden, muss sie die gesamte Strafe absitzen und erhält unter Umständen sogar eine neue Strafe. Außerdem erhält der oder die Verurteilte für diese Zeit meist eine*n Bewährungshelfer*in.

Gut zu wissen: Entgegen allgemeiner Vermutung, darf die verurteilte Person auch in der Bewährungszeit das Land verlassen, also durchaus ins Ausland reisen. Nur in Ausnahmefällen wird ihm eine Auslandsreise verboten.

Darüber hinaus kann das Gericht der verurteilten Person auch Bewährungsauflagen auferlegen, an die sich die Person während der gesamten Bewährungszeit halten muss. Beispiele für solche Bewährungsauflagen (sog. “Weisungen”, § 56c StGB) sind:

  • Anordnungen (z.B. Beratungen, Aus- und Weiterbildungen, Suche nach einer Wohnung oder Wohnortwechsel)
  • Meldepflicht (sich zu bestimmten Zeiten bei Gericht, bei einem Bewährungshelfer oder einer Bewährungshelferin oder einer anderen Stelle zu melden)
  • Kontaktverbot (zu der verletzten Person oder zu anderen Personengruppen, die das Wiederholungsrisiko erhöhen, auch Fernhalten von bestimmten Orten)
  • Gebrauchsverbot bestimmter Gegenstände, die als Anreiz zu weiteren Straftaten dienen könnten (z.B. Waffen)
  • Unterhaltspflicht

Wird eine Person zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, bedeutet das also nicht, dass sie “davongekommen” ist. Viele Menschen ärgern sich über Bewährungsstrafen, weil diese in Zeitungen oft dargestellt werden wie ein Freispruch. Aber in Wirklichkeit hat eine Bewährungsstrafe mit einem Freispruch rein gar nichts zutun.

Voraussetzungen für Bewährungsstrafen

Nicht immer ist eine Aussetzung zur Bewährung auch möglich, denn der Gesetzgeber hat die Bewährung an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Bewährungsfähige Strafe

Freiheitsstrafen von über zwei Jahren dürfen nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Wird beispielsweise jemand zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, wird der Strafverteidiger oder die Strafverteidigerin über eine Bewährung nachdenken. Erst bei einer Verurteilung ab zwei Jahren Freiheitsstrafe kann das Gericht diese Strafe zur Bewährung aussetzen und Bewährungsauflagen verhängen. Hält sich die verurteilte Person nicht daran, kommt es zu einem sog. Bewährungswiderruf. In einem solchen Widerruf muss die verurteilte Person die Haft antreten und wird wahrscheinlich eine weitere Strafe erhalten.

Gut zu wissen: Die Dauer der Freiheitsstrafe hat nichts mit der Dauer der Bewährungszeit zutun. Es kann durchaus vorkommen, dass jemand, der zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde, eine fünfjährige Bewährungszeit verhängt bekommt.

Günstige Sozialprognose

Weiterhin ist eine positive Sozialprognose erforderlich. Hier kann im Vorfeld in Zusammenarbeit mit dem Verteidiger viel getan werden. Oftmals reicht die Aufnahme einer Arbeit, der Beginn einer Therapie, Beginn einer Ausbildung, Änderung des sozialen Umgangs oder ein Anti-Aggressions-Training.

Voraussetzung für eine Bewährungsstrafe ist auch, dass die verurteilte Person eine positive Sozialprognose haben muss. Das bedeutet: Es muss davon auszugehen sein, dass sich die verurteilte Person an alle Auflagen der Bewährung hält und nicht wieder straffällig wird. Mithilfe von Auflagen kann das Gericht beispielsweise erreichen, dass die verurteilte Person resozialisiert wird, also zum Beispiel eine Arbeit findet, eine Therapie durchmacht oder sich etwa in einem Training mit seiner Wut auseinandersetzt.

Wenn all das geschehen und die Bewährungszeit abgelaufen ist, wird der verurteilten Person die Strafe am Ende der Bewährungszeit erlassen.

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