Sie stehen als Beschuldigte oder Beschuldigter vor Gericht und fragen sich, ob Ihnen ein Pflichtverteidiger zusteht? Sie wissen nicht, was es mit dem „Fall der notwendigen Verteidigung“ in Ihrem Anklageschreiben auf sich hat? Sie benötigen dringend einen Strafverteidiger, aber befürchten, dass Sie sich diesen nicht leisten können?

Für die meisten Angeklagten ist dies eine extrem unangenehme Situation. Dass sie sich mit dem Gesetz nicht richtig auskennen und deshalb nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, steigert nur die Nervosität weiter ins Unermessliche. Deshalb gilt in diesen Fällen zunächst: Ruhe bewahren! In diesem Artikel erfahren Sie, wie und in welchen Fällen Sie sich durch einen Pflichtverteidiger vor Gericht unterstützen lassen können.

Was ist der Unterschied zwischen einem Wahlverteidiger und einem Pflichtverteidiger?

Sie werden angeklagt? Versuchen Sie trotz der belastenden Umstände einen sachlichen Blick auf die Situation zu werfen. Haben Sie bereits Aussagen bei der Polizei oder vor der Staatsanwaltschaft gemacht? Falls nicht, bleiben Sie weiterhin schweigsam, denn Sie sind nicht dazu verpflichtet, eine Aussage zu machen! Dazu wird Ihnen jeder Rechtsanwalt auch raten. Ohnehin sollten Sie, bevor Sie selbst tätig werden, vorab mit einem Anwalt über Ihre Situation sprechen. Dieser kann Ihnen relativ schnell beantworten, ob in Ihrem Fall ein Pflichtverteidiger notwendig ist.

Das Gesetz kennt zwei Formen der Verteidigung: Die Pflichtverteidigung und die Wahlverteidigung. Der klassische Fall der Verteidigung ist die Wahlverteidigung, bei der Sie sich selbst einen Anwalt aussuchen und sein Mandant werden. Sie können also selbst darüber entscheiden, ob und von wem sie vor Gericht verteidigt werden möchten. Dieses Recht haben Sie zu jedem Zeitpunkt der Ermittlung – egal, ob schon vor Vernehmung durch die Polizei oder erst vor Gericht (§ 137 StPO).

Pflichtverteidigung meint hingegen den Anwaltszwang vor Gericht. In diesen Fällen müssen Sie sich durch einen Anwalt vertreten lassen. Zwar können Sie auch in diesem Fall selbst entscheiden, wer Sie vor Gericht vertritt. Der Unterschied liegt allerdings auf der Hand: In einem Pflichtverteidigungsfall übernimmt der Staat bei einem Freispruch die Kosten für Ihre Verteidigung – und zwar unabhängig davon, wieviel sie verdienen. Einen solchen Verteidiger nennt man deshalb den „Wahlpflichtverteidiger“. Werden Sie verurteilt, müssen Sie die Kosten für das Verfahren und die Pflichtverteidigung selbst tragen. Bei einer schwierigen finanziellen Lage ist eine Ratenzahlung möglich.

Es ist also ein weit verbreiteter Irrglaube, dass ein Pflichtverteidiger immer nur dann tätig wird, wenn man sich keinen Wahlverteidiger leisten kann. Vielmehr handelt es sich in beiden Fällen um einen Anwalt, der von dem Mandanten selbst ausgewählt wurde.

Angeklagt: Bekomme ich einen Pflichtverteidiger?

Die Fälle, in denen Sie zwingend einen Pflichtverteidiger benötigen, sind im Gesetz als „Fälle der notwendigen Verteidigung“ aufgezählt (§ 140 StPO). Im Folgenden erläutern wir die häufigsten Fälle, in denen eine Pflichtverteidigung notwendig ist.

Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn das Verfahren vor Gericht ein sehr großes Risiko für Sie darstellt. Konkret bedeutet das: Je schwerer das zu erwartende Urteil, desto eher ist ein Pflichtverteidiger vonnöten.

Einen Verteidiger benötigen sie demnach dringend, wenn Ihnen ein Verbrechen vorgeworfen wird. Als Verbrechen bezeichnet das Strafrecht solche Taten, die mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht sind, andernfalls handelt es sich um Vergehen. Dasselbe gilt, wenn das Verfahren möglicherweise zu einem Berufsverbot für Sie führen könnte oder es um die Entscheidung über eine Haft oder einstweilige Unterbringung geht. Einen Pflichtverteidiger benötigen Sie außerdem, wenn das Strafverfahren vor einem Oberlandesgericht (OLG), einem Landgericht (LG) oder einem Schöffengericht stattfindet.

Haben Sie eine Seh-, Hör- oder Sprachbehinderung? In diesem Fall ist auch eine Pflichtverteidigung erforderlich, diese müssen Sie allerdings im Voraus selbst beantragen. Wenn Sie sich wegen einer richterlichen Anordnung in einer Anstalt befinden oder im Raum steht, dass sie wegen ihres psychischen Zustandes in einer Psychiatrie untergebracht werden sollen, ist eine Verteidigung ebenfalls Voraussetzung.

Wenn Ihr Fall hier nicht aufgezählt wurde, lassen Sie sich nicht entmutigen! Es gibt noch eine Vielzahl anderer Fälle, in denen eine Pflichtverteidigung notwendig sein kann. Über die Notwendigkeit eines Pflichtverteidigers entscheidet das Gericht. In Ausnahmefällen kann diese Entscheidung auch durch die Staatsanwaltschaft gefällt werden.

Deshalb hängt es immer vom Einzelfall ab, ob ein Fall der notwendigen Verteidigung gegeben ist oder nicht. Fragen Sie Ihren Rechtsanwalt nach seiner Einschätzung oder kontaktieren Sie uns für eine schnelle und kostenlose Antwort auf Ihre Frage.

Was passiert, wenn ich keinen Pflichtverteidiger habe?

Wenn Sie in einem Fall notwendiger Verteidigung keinen Pflichtverteidiger haben, kann das Verfahren nicht durchgeführt werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie die Wahl eines Pflichtverteidigers ewig hinauszögern können, um das Verfahren gegen Sie aufzuhalten. Die Verhinderung eines Strafprozesses ist unter Umständen nämlich strafbar.

Als Beschuldigter steht Ihnen in den genannten Fällen vor Gericht ein Wahlpflichtverteidiger zu. Wenn Sie keinen Anwalt ausgewählt haben oder Ihr Anwalt aus irgendeinem Grund vom Verfahren ausgeschlossen wurde, wird Ihnen ein Pflichtverteidiger bestellt bzw. beigeordnet.

Aber Achtung: Lassen Sie es nicht soweit kommen! Das Gericht bestellt nämlich häufig den Verteidiger, der ihre Rechtsauffassung teilt. Dies kann dazu führen, dass Sie unzureichend verteidigt und deshalb schneller verurteilt werden. Machen Sie im Verfahren so früh wie möglich von Ihrem Recht auf freie Verteidigerwahl Gebrauch!

In der Anklageschrift wird Ihnen in der Regel eine Wochenfrist eingeräumt, um den Rechtsanwalt Ihres Vertrauens zu benennen. Das bedeutet, dass Sie zeitliche Verzögerungen unbedingt vermeiden sollten. Sie haben nur 7 Tage Zeit, um sich für einen Anwalt zu entscheiden. Wählen Sie diesen selbst, da die Beiordnung durch das Gericht andernfalls auf ein Verteidiger fallen kann, den Sie später nicht einfach auswechseln können.

Ihr Anwalt wird schon im Voraus mit Ihnen die weitere Vorgehensweise besprechen und Ihnen die Angst vor dem Verfahren nehmen. Wenn Sie unsicher sind, entscheiden Sie sich bestenfalls für einen Experten in Ihrem Bereich (zum Beispiel einen Fachanwalt für Strafrecht). Wenn Sie einen Pflichtverteidiger benötigen, nehmen Sie schnellstmöglich Kontakt zu uns auf und lassen sie sich innerhalb von 24 Stunden eine kostenlose Erstberatung von Strafrechtsexperten geben!